ATAK, kurz für Android Team Awareness Kit, ist eine Karten-App für Android-Smartphones und -Tablets, auf der alle Beteiligten eines Einsatzes dieselbe Lage sehen: eigene Kräfte, Gefahrenbereiche, Fotos, Videos und Nachrichten, live und ortsgenau. Entwickelt wurde die App für das US-Militär. Heute arbeiten auch Feuerwehren, Rettungsdienste, Polizei und Hilfsorganisationen mit der kostenlosen zivilen Version ATAK-CIV.

Auf einen Blick

  • ATAK zeigt Positionen, Markierungen, Routen, Fotos und Chats aller Teilnehmer auf einer gemeinsamen Karte, auch offline.
  • Das Forschungslabor der US-Luftwaffe (AFRL) begann 2010 mit der Entwicklung. Heute pflegt das TAK Product Center der US-Regierung die Software. Aktuell ist Version 5.8 (Stand Oktober 2026).
  • ATAK-CIV ist kostenlos und Open Source, erhältlich im Google Play Store und auf tak.gov.
  • Zur selben Familie gehören iTAK (iPhone und iPad), WinTAK (Windows), WebTAK (Browser) und der TAK Server, der die Geräte über Netzgrenzen hinweg verbindet.
  • Ohne Mobilfunknetz tauschen die Geräte ihre Daten im lokalen Netz oder über Mesh-Funk aus.

Was ist ATAK?

Im Kern ist ATAK eine digitale Karte. Jedes Gerät meldet regelmäßig seine Position, und jede Markierung, die jemand setzt, erscheint bei allen anderen. So beantwortet die App vier Fragen, die sich in jedem Einsatz stellen:

  • Wo sind meine Leute?
  • Wo ist die Gefahr?
  • Was passiert gerade?
  • Was ist der Plan?

Im Einsatz heißt das: Niemand muss Positionen mehr per Funk erfragen, und eine eingezeichnete Sperrzone ist sofort auf allen Geräten zu sehen. Eine kurze Übersicht ohne Technik findet ihr auf unserer Seite Was ist ATAK?

Rettungskraft im Einsatzfahrzeug bedient ATAK auf einem Tablet an der Halterung

Woher ATAK kommt

2010 begann das Air Force Research Laboratory (AFRL) der US-Luftwaffe mit der Entwicklung, damals unter dem Namen Android Tactical Assault Kit. Über Jahre nutzten Spezialkräfte des US-Militärs die App im Einsatz und trieben ihre Weiterentwicklung voran. Später erprobte das US-Heimatschutzministerium (DHS) die Software für zivile Einsatzkräfte. Nach Angaben des DHS unterstützte TAK bei sieben großen Hurrikanen, darunter Harvey, Irma und Maria, die Rettung von mehr als 2.000 Menschen.

In der zivilen Version steht das T heute für Team statt Tactical. Nachdem das US-Verteidigungsministerium 2020 den Quellcode von ATAK-CIV veröffentlicht hatte, kam die App noch im selben Jahr in den Google Play Store. Seit 2022 liegt auch der Quellcode des TAK Servers auf GitHub, beide unter der Open-Source-Lizenz GPLv3. Weiterentwickelt und verteilt werden ATAK und die übrigen TAK-Produkte vom TAK Product Center über das Portal tak.gov.

Neue Versionen erscheinen etwa dreimal im Jahr. Im Oktober 2026 ist ATAK 5.8 aktuell, Version 5.9 ist für November angekündigt. Im Play Store erscheinen neue Versionen teils später als auf tak.gov.

ATAK-CIV, ATAK-GOV und ATAK-MIL

ATAK gibt es in drei Varianten. Bedienung und Datenformat sind weitgehend gleich, sodass alle drei untereinander Daten austauschen können. Unterschiede gibt es bei einzelnen Funktionen und bei der Frage, wer welche Variante bekommt.

  • ATAK-CIV ist die zivile Version: kostenlos, Open Source und frei erhältlich. Mit ihr starten Feuerwehren, Rettungsdienste, Behörden und Hilfsorganisationen.
  • ATAK-GOV richtet sich an Regierungsstellen und enthält keine militärisch sensiblen Funktionen.
  • ATAK-MIL ist Streitkräften vorbehalten. Außerhalb der USA gibt es diese Variante nur über das Programm Foreign Military Sales der US-Regierung.

iTAK, WinTAK, WebTAK und der TAK Server

ATAK gehört zu einer Produktfamilie, deren Programme dasselbe Datenformat nutzen und dieselbe Lage zeigen.

  • iTAK läuft auf iPhone und iPad und ist kostenlos im App Store. Es kann weniger als ATAK, bringt aber Karten, Marker, Chat, Video und Positionsdarstellung mit.
  • WinTAK ist der Client für Windows, in der zivilen Version WinTAK-CIV über tak.gov erhältlich. Neu dazugekommen ist TAKX, das WinTAK mit dem Führungsprogramm RaptorX zusammenführt.
  • WebTAK läuft im Browser und wird vom TAK Server bereitgestellt. Führungsstellen sehen die Lage damit ohne Installation.
  • Der TAK Server verbindet die Geräte über Mobilfunk, Satellit oder Internet. Er verteilt Nachrichten nach Gruppen, verschlüsselt die Verbindungen, speichert Datenpakete und koppelt per Federation die Server verschiedener Organisationen.

Wie ihr einen TAK Server absichert, steht im Praxis-Guide zur TAK-Server-Sicherheit. Den Betrieb in Deutschland übernehmen wir mit unseren Serverlösungen.

Was ATAK im Einsatz kann

Diese Funktionen bringt ATAK ohne Zusatzsoftware mit:

  • Jedes Gerät sendet seine Position mit Rufname, Teamfarbe und Rolle, zum Beispiel Team Lead oder Medic.
  • Ihr setzt Marker, zeichnet Flächen und Linien ein und nutzt taktische Symbole. Ein Geofence meldet, wenn jemand einen Bereich betritt oder verlässt.
  • Werkzeuge für Entfernung, Richtung, Routen und Navigation gehören dazu. Mit Bloodhound führt ihr Kräfte zu einem Ziel, auch wenn es sich bewegt.
  • Im Chat schreibt ihr an alle, an Gruppen oder an Einzelne. Karten, Fotos und Pläne verteilt ihr als Datenpaket.
  • Der Videoplayer zeigt Streams von Drohnen und Kameras, unter anderem per RTSP, RTMP, SRT und UDP. Wie ihr Drohnenbilder in das System bekommt, erklärt unser Artikel zum Videostreaming mit MediaMTX.
  • Neben Online-Karten nutzt ATAK eigene Luftbilder und Offline-Karten, etwa als GeoTIFF, MBTiles oder GeoPackage. Mit Höhendaten berechnet die App Höhenprofile und zeigt, welche Bereiche von einem Punkt aus einsehbar sind.
  • Über das Alert-Werkzeug löst ihr einen Notruf aus, den alle sehen. Verletzte meldet ihr mit dem CASEVAC-Werkzeug nach dem 9-Line-Schema.

Was hinter Begriffen wie Bloodhound, Data Package oder MGRS steckt, erklärt unser TAK-Glossar.

Wie die Geräte Daten austauschen

Alle TAK-Programme sprechen Cursor on Target, kurz CoT. Das Nachrichtenformat entstand 2002 beim US-Forschungsinstitut MITRE und ist bewusst schlicht: Jede Nachricht beschreibt, was wann wo ist, mit Kennung, Typ, Zeitstempel, Ablaufzeit und Position. Ursprünglich ist CoT ein XML-Format, neuere Versionen übertragen denselben Inhalt kompakter im Protobuf-Format. Weil das Format offen ist, können auch andere Systeme CoT lesen und schreiben, etwa Drohnen, Sensoren oder Leitstellensoftware. Wie eine Nachricht aufgebaut ist, zeigt unser technischer Deep Dive zu CoT.

Für den Transport gibt es zwei Wege. Im selben WLAN oder Mesh-Netz finden sich die Geräte ohne Server und senden ihre Positionen per Multicast an alle. Sobald Mobilfunk, Satellit oder Internet dazwischen liegen, läuft der Verkehr über einen TAK Server, verschlüsselt per TLS.

Fällt das Mobilfunknetz aus, etwa bei einem Waldbrand, im Katastrophengebiet oder im Tunnel, helfen Mesh-Funkgeräte. Günstige LoRa-Geräte mit der Open-Source-Firmware Meshtastic übertragen Positionen und kurze Nachrichten. Für Fotos oder Video reicht ihre Datenrate nicht. Breitbandige MANET-Funkgeräte schaffen auch Video, sind aber deutlich teurer. Welche Geräte in Europa erlaubt sind, zeigt unser Vergleich der Mesh-Funkgeräte.

ATAK mit Plugins erweitern

Was die App nicht von Haus aus kann, kommt über Plugins dazu. Ein Plugin ist eine eigene Android-App, die sich in ATAK einklinkt, zum Beispiel für Funkgeräte, Drohnen, Sensoren oder Fachanwendungen. Passt ein Plugin nicht zur installierten ATAK-Version, lädt ATAK es erst nach einem Update. Damit nicht jedes Gerät einzeln versorgt werden muss, lassen sich Plugins zentral über einen Update-Server verteilen.

Auch KI-Funktionen lassen sich so einbinden, etwa eine Objekterkennung im Drohnenvideo. Solche Funktionen sind Erweiterungen und gehören nicht zum Standardumfang von ATAK. Mehr dazu im Artikel TAK und KI. Hersteller, die ein eigenes Gerät an ATAK anbinden wollen, finden unser Angebot unter Plugin-Entwicklung.

Wo ATAK im Einsatz hilft

  • Bei einem Flächenbrand sieht die Einsatzleitung die Fahrzeuge und das Wärmebild einer Drohne auf derselben Karte. Abschnitte und Gefahrenbereiche, die sie einzeichnet, sehen alle Trupps sofort.
  • Bei einer Großveranstaltung sind die Sicherheitskräfte über Mesh-Funk verbunden. Kommt es zu einem medizinischen Notfall, schickt die Einsatzleitung das nächste Team los, und Bloodhound zeigt ihm Entfernung und Ankunftszeit.
  • Eine Hilfsorganisation arbeitet im Katastrophengebiet ohne Mobilfunk. Positionen der Helfer, sichere Routen und der Zustand von Notunterkünften stehen trotzdem auf der Karte, übertragen per LoRa-Funk.
  • Bei der Polizei laufen Streifen, Sperrstellen und das Bild eines Hubschraubers oder einer Drohne in einem Lagebild zusammen.

Weitere Beispiele nach Organisation findet ihr unter Einsatzbereiche.

Polizist steht vor einer großen projizierten Lagekarte

Was ihr für den Einstieg braucht

Die App ist in wenigen Minuten installiert. Für den Einsatz in einer Organisation gehört mehr dazu:

  • Geräte: Android-Smartphones oder -Tablets, für draußen am besten robuste Modelle. Das TAK Product Center testet ATAK vor allem auf Samsung-Geräten.
  • Karten: Offline-Karten und Höhendaten für euer Gebiet, vorab auf die Geräte geladen.
  • Server: ein TAK Server mit Zertifikaten, Benutzern und Gruppen, gehostet oder auf eigener Hardware.
  • Funk: Mesh-Funkgeräte, wenn ihr ohne Mobilfunknetz arbeiten müsst.
  • Schulung und Betrieb: Übungen für Anwender und Administratoren, dazu Updates mehrmals im Jahr.

Wie ihr ATAK installiert und die ersten Geräte verbindet, zeigt das ATAK-Tutorial für Anfänger.

TAK Hub richtet TAK Server ein und betreibt sie in Deutschland, stellt einsatzfertige Hardware zusammen und bietet Schulungen und Workshops für Anwender und Administratoren an. Was ein Projekt kostet und wie es abläuft, steht unter Kosten und Ablauf.

Marcel Neuroth Gründer und Geschäftsführer, TAK Hub

Marcel Neuroth ist Gründer und Geschäftsführer von TAK Hub. Er war Soldat in Afghanistan und studierte danach Mechatronik. In der Ukraine half er als Freiwilliger und koordinierte später als Missionsleiter Einsätze, darunter Evakuierungen nahe der Front. Dabei hat er ATAK selbst genutzt. Heute richtet er mit seinem Team TAK-Systeme für Einsatzorganisationen ein, schult deren Kräfte und begleitet Projekte in Europa, Lateinamerika und Südostasien.