Warum Mesh-Funk + ATAK ein Game-Changer ist
Stellt euch vor: Euer Team ist im Einsatz – Waldbrand, Großveranstaltung, Übung im Gelände. Kein Mobilfunknetz, kein Internet, keine Infrastruktur. Aber jeder im Team sieht auf seinem Smartphone, wo die anderen sind. Wegpunkte werden geteilt, taktische Symbole aktualisiert, Nachrichten zugestellt – alles über ein Netzwerk, das sich die Geräte selbst aufbauen.

Das ist die Kombination aus Mesh-Funk und ATAK (Android Team Awareness Kit). Mesh-Netzwerke leiten Daten über mehrere Knotenpunkte weiter – fällt ein Gerät aus, findet die Nachricht einen anderen Weg. ATAK verwandelt ein handelsübliches Android-Smartphone in ein vollwertiges Lageinstrument. Zusammen ermöglichen sie digitale Einsatzführung ohne jede Infrastruktur.
Klingt vielversprechend – ist es auch. Aber: Der Markt ist unübersichtlich. Proprietäre Systeme aus den USA, die in Europa gar nicht legal betrieben werden dürfen. Open-Source-Projekte mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Hardware, die robust aussieht, aber im Feld nicht hält. Und EU-Frequenzregulierungen, die viele Hersteller schlicht ignorieren.
In diesem Artikel vergleichen wir die wichtigsten Mesh-Funkgeräte für ATAK – proprietär und Open Source, US-amerikanisch und europäisch. Wir erklären, welche Geräte in der EU legal betrieben werden dürfen, was die Unterschiede in der Praxis bedeuten und welche Lösung zu welchem Einsatzzweck passt.
Was ist Mesh-Networking? – Grundlagen einfach erklärt
In einem klassischen Funknetz kommuniziert jedes Gerät direkt mit einer Basisstation – fällt die aus, ist das Netz tot. Mesh-Networking dreht dieses Prinzip um: Jedes Gerät ist gleichzeitig Sender, Empfänger und Relais. Die Geräte – sogenannte Nodes – spannen untereinander ein selbstorganisierendes Netzwerk auf, ganz ohne zentrale Infrastruktur.
Multi-Hop: Reichweite durch Teamwork
Wenn Node A eine Nachricht an Node D senden will, aber außerhalb der direkten Funkreichweite liegt, springt die Nachricht über dazwischenliegende Nodes B und C weiter – sogenanntes Multi-Hop-Routing. In der Praxis ermöglichen 3–4 Hops bereits Reichweiten von über 20 Kilometern, selbst mit stromsparenden LoRa-Funkmodulen.
Store-and-Forward: Resilient gegen Ausfälle
Wenn ein Empfänger gerade nicht erreichbar ist, speichern Zwischenstationen die Nachricht und leiten sie weiter, sobald er wieder im Netz auftaucht. Das macht Mesh-Netze extrem widerstandsfähig – selbst wenn einzelne Nodes ausfallen oder sich bewegen.
LoRa: Die Funktechnologie dahinter
Die meisten Mesh-Geräte basieren auf LoRa (Long Range) – einer Funktechnologie, die für maximale Reichweite bei minimalem Stromverbrauch entwickelt wurde. Im Vergleich: Wo Wi-Fi hunderte Megabit pro Sekunde schafft, arbeitet LoRa im Bereich von wenigen Kilobit. Dafür reicht ein LoRa-Signal viele Kilometer weit – allerdings primär bei freier Sichtverbindung (Line of Sight). Ein verbreiteter Irrtum: Die Durchdringung von Hindernissen hängt nicht von der LoRa-Modulation ab, sondern von der Frequenz. Bei 868 MHz ist die Durchdringung von dichter Vegetation oder massiven Gebäuden begrenzt – das Signal reflektiert gut in urbaner Umgebung (MOUT), dringt aber schlechter durch Masse als niedrigere Frequenzen. In dichten Wäldern verliert LoRa bei 868 MHz schnell an Reichweite; erhöhte Repeater (z.B. per Drohne oder auf Anhöhen) können hier Abhilfe schaffen.
LoRa bietet drei Stellschrauben:
- Spreading Factor (SF7–SF12): Höherer SF = mehr Reichweite, aber langsamer. Jede Stufe verdoppelt ungefähr die Übertragungszeit.
- Bandwidth (125–500 kHz): Mehr Bandbreite = schnellere Übertragung, aber geringere Empfindlichkeit. In Europa ist 125 kHz Standard.
- Coding Rate (4/5–4/8): Mehr Redundanz = robuster gegen Störungen, aber langsamer.
In der Praxis nutzen Mesh-Systeme wie Meshtastic vorkonfigurierte Presets:
| Preset | Durchsatz | Reichweite |
|---|---|---|
| SHORT_FAST | ca. 6,8 kbps | 1–3 km |
| LONG_FAST | ca. 1,07 kbps | 5–15 km |
| LONG_MODERATE | ca. 0,34 kbps | 10–30+ km |
Proprietäre Mesh-Systeme: Beartooth, goTenna & Co.
Beartooth MK2

Das Beartooth MK2 aus den USA ist eines der bekanntesten kommerziellen Mesh-Funkgeräte. Es verbindet sich per Bluetooth mit dem Smartphone und bietet Push-to-Talk-Sprachkommunikation, Textnachrichten und Live-Standortübertragung.
Technische Eckdaten:
- Frequenz: 902–928 MHz ISM-Band mit Frequency Hopping (FHSS)
- Sendeleistung: 1 W (30 dBm)
- Reichweite: bis zu 20 Meilen (ca. 32 km) Line of Sight (Herstellerangabe unter Idealbedingungen)
- Verschlüsselung: AES-256
- Akku: ca. 2 Tage Laufzeit
- Mesh: Self-Forming/Self-Healing, 100+ Nodes, bis zu 6 Hops
- ATAK-Plugin: verfügbar
- Preis: ab ca. 1.249 USD (Stand: Februar 2026)
Stärken: Polierte Benutzeroberfläche, Out-of-the-Box ATAK-Integration, Push-to-Talk-Sprachkommunikation (was LoRa-basierte Geräte nicht bieten), professioneller Support.
goTenna Pro X2 (jetzt Forterra)

goTenna – inzwischen Teil von Forterra – richtet sich an Behörden und Militär. Das Pro X2 funkt im VHF-Bereich (142–175 MHz) und bietet extreme Reichweite durch niedrigere Frequenzen.
Eckdaten:
- MIL-STD-810 zertifiziert
- AES-256, FIPS-konform
- Getestet mit 60+ Nodes
- Nur auf Anfrage (Government/Military Pricing)
Das grundsätzliche Problem proprietärer Consumer-Systeme
Beide Systeme teilen strukturelle Nachteile: Vendor Lock-in (Abhängigkeit vom Hersteller), hohe Kosten und fehlende Anpassbarkeit. Wenn der Hersteller den Support einstellt – wie es in der Branche immer wieder vorkommt – stehen Nutzer im Regen. Für europäische Anwender kommt bei beiden Geräten das Frequenzproblem erschwerend hinzu.
Auf der Haben-Seite bieten proprietäre Systeme eine polierte Nutzererfahrung: Push-to-Talk-Sprache (Beartooth), MIL-STD-810-Zertifizierung (goTenna) und Out-of-the-Box-Funktionalität, die Open-Source-Lösungen so nicht bieten.
Enterprise-Klasse: Doodle Labs Mesh Rider Wearable
Wer die bisherigen Geräte betrachtet, sieht eine klare Trennlinie: LoRa-basierte Systeme bieten extreme Reichweite und Energieeffizienz, aber nur Kilobit-Datenraten. Das reicht für GPS-Positionen und Textnachrichten – nicht aber für Video, Bilder oder Echtzeit-Sprache über das Mesh. Genau hier positioniert sich das Doodle Labs Mesh Rider Wearable als Enterprise-Alternative in einer völlig anderen Leistungsklasse.
Breitband-MANET statt LoRa

Doodle Labs aus Kanada baut keine LoRa-Geräte. Der Mesh Rider nutzt eine proprietäre Breitband-MANET-Waveform (Mobile Ad-Hoc Network) auf Basis modifizierter Wi-Fi-Chipsets – mit Datenraten von bis zu 80 Mbps (neue Generation: 100 Mbps). Das ist Faktor 10.000 gegenüber typischen LoRa-Übertragungen. Damit werden Anwendungen möglich, die mit LoRa undenkbar sind: HD-Videostreaming, Echtzeit-Drohnenfeeds, Voice-over-IP und vollständige TAK-Datenströme inklusive Bildern und Dateien.
- Frequenzbänder: Mehrere Varianten – S-Band (1625–2500 MHz), C-Band (4400–5920 MHz), L+S Dual-Band und weitere. Die ISM-Band-Varianten (2,4 GHz) sind in der EU grundsätzlich nutzbar.
- Reichweite: Bis zu 2 km HD-Videostreaming Ground-to-Ground; über 80 km Ground-to-Air (Herstellerangabe)
- Throughput: 80 Mbps (aktuelle Generation), 100 Mbps (neue Generation)
- Verschlüsselung: AES-256, AES-128, FIPS 140-3 Level 1
- Networking: Self-Forming/Self-Healing Mesh, WDS AP, WDS Client, Dynamic Mesh, Multi-Radio Mesh
- TAK-Integration: Nahtlose, native Anbindung an CivTAK und Government TAK – kein Plugin oder Forwarder nötig
- Gateway: Integration mit Mobilfunk (LTE) und Satellitenverbindungen
- Abmessungen: 134 × 63 × 17 mm, 311 g (neue Generation: 75 g, IP68-zertifiziert)
- Akku: 35 Wh (2× 21700 Li-Ion), 8–10 Stunden; USB-C PD Laden
- Antennenanschluss: TNC (robust, feldtauglich)
- Kanalbreiten: 3/5/10/15/20 MHz
- Max. Sendeleistung: 1,6 W (32 dBm)
Was das Mesh Rider fundamental anders macht
Der entscheidende Unterschied zu allen anderen Geräten in diesem Artikel: Das Doodle Labs Wearable ist ein vollwertiger IP-Netzwerkknoten. Jedes Gerät baut per eingebautem Wi-Fi-Hotspot ein lokales Netzwerk auf, in das sich Smartphones, Tablets, Laptops oder Drohnen-Controller einklinken. ATAK verbindet sich über Standard-UDP-Multicast – genau wie über ein normales WLAN oder einen TAK Server. Kein spezielles Plugin, kein Forwarder, keine Komprimierung in Protobuf.
Das bedeutet: Alles, was über einen TAK Server funktioniert, funktioniert auch über Doodle Labs Mesh – inklusive Bildern, Dateien, Chat mit Anhängen und Drohnen-Video. In der Praxis ersetzt ein Doodle Labs Mesh-Netzwerk die komplette IP-Infrastruktur.
Neue Generation: Multiband und noch kompakter
Doodle Labs hat eine neue Multiband-Generation angekündigt: Dual-Band-Modelle (z.B. 900 MHz + 2,4 GHz) in einem einzigen Gerät. Die neue Version ist 50 % kleiner (75 g statt 311 g), IP68-wasserdicht mit optionaler Nano-Beschichtung gegen Salzkorrosion, und erreicht 100 Mbps. Dazu kommt integrierte Mission Critical PTT (Push-to-Talk) über die Zello-App.
EU-Konformität
Im Gegensatz zu Beartooth und goTenna bietet Doodle Labs EU-kompatible Frequenzvarianten. Die ISM-Band-Modelle (2,4 GHz) und Wi-Fi-Band-Modelle (5 GHz) fallen unter bestehende europäische Allgemeinzuteilungen. Die S-Band- und C-Band-Varianten für Verteidigung und Behörden erfordern behördliche Frequenzzuteilungen – was für den vorgesehenen Nutzerkreis (Militär, BOS) Standard ist.
Für wen ist das Doodle Labs Wearable?
Das Mesh Rider Wearable ist kein Einsteigergerät. Es richtet sich an Organisationen, die Breitband-Mesh ohne Infrastruktur brauchen: Spezialkräfte, Katastrophenhilfe im großen Maßstab, Drohnenoperationen und professionelle Sicherheitsunternehmen. Der Preis liegt im mittleren vierstelligen Bereich pro Gerät (Anfrage beim Hersteller) – das ist eine andere Budgetklasse als ein 35-Euro-Meshtastic-Board. Dafür bekommt man ein System, das den Sprung von „Textnachrichten und GPS“ zu „vollständige digitale Einsatzführung über Mesh“ ermöglicht.
Open-Source-Mesh: Meshtastic, MeshCore & Co.
Meshtastic – Das Community-Powerhouse

Meshtastic ist das mit Abstand größte Open-Source-Mesh-Projekt weltweit. Es verwandelt günstige Mikrocontroller-Boards (ESP32, nRF52) in vollwertige Mesh-Nodes – für oft unter 40 Euro pro Gerät.
- Frequenz: 868 MHz in der EU (genauer: 869,4–869,65 MHz für maximale Sendeleistung und Duty Cycle)
- Verschlüsselung: AES-256 mit Pre-Shared Key
- Konfiguration: Per Bluetooth oder USB über die Meshtastic-App (Android/iOS/Web)
- Funktionen: Textnachrichten, GPS-Telemetrie, Waypoints, Umweltsensoren
- Hardware: Von günstigen Heltec V3-Modulen (ca. 25 Euro) über LilyGo T-Beam (ca. 35–60 Euro) bis zu professionellen Geräten wie dem Braver Systems LBM
Was Meshtastic besonders macht: Die riesige Community, die Hardware-Vielfalt und das ausgereifte ATAK-Plugin. Es ist die am besten getestete und dokumentierte Lösung für Mesh + ATAK.
Einschränkungen: Flooding-basiertes Routing kann in großen Netzen (20+ Nodes) zu Kollisionen führen. Die Bandbreite ist LoRa-limitiert – kein Sprach- oder Videoübertragung. Und: Die AES-256-Verschlüsselung basiert auf Pre-Shared Keys – wer den Schlüssel hat, kann mitlesen.
MeshCore – Die schlanke Alternative
MeshCore ist eine seit 2025 wachsende C++-Alternative zu Meshtastic, entwickelt mit dem Ziel, effizienter und schneller zu sein.
Kernunterschied: Statt reinem Flooding nutzt MeshCore Hybrid-Routing – es baut Routing-Informationen auf und leitet Nachrichten gezielter weiter. Das reduziert den Netzwerk-Overhead und verbessert die Performance, besonders in größeren Netzen.
- Leichtgewichtiger Codebase (reines C++)
- Läuft auf derselben Hardware wie Meshtastic (ESP32, nRF52)
- Noch kleinere Community, aber wachsend
- Aktuell kein ATAK-Plugin verfügbar – die Integration ist in Entwicklung
MeshCore und Meshtastic konkurrieren nicht unbedingt – sie bedienen unterschiedliche Ansprüche. Meshtastic ist das zugänglichere Ökosystem mit ATAK-Integration, MeshCore die technisch effizientere Lösung für Entwickler.
OpenMANET – Wi-Fi HaLow statt LoRa
OpenMANET verfolgt einen grundlegend anderen Ansatz: Statt LoRa nutzt es Wi-Fi HaLow (IEEE 802.11ah) mit Morse Micro-Chipsets auf Raspberry Pi-Basis.
Der Vorteil: Deutlich höhere Bandbreite als LoRa – genug für IP-basierte Kommunikation, Dateitransfer und sogar komprimierte Sprache. ATAK kann sich über Standard-UDP-Multicast verbinden, ohne spezielle Plugins.
Der Trade-off: Höhere Bandbreite geht auf Kosten der Reichweite und Energieeffizienz. Typisch 1–5 km Reichweite. Die Hardware ist noch weniger verbreitet und das Projekt befindet sich in einem frühen Stadium.
Reticulum – Der fundamentale Ansatz
Erwähnenswert ist auch Reticulum – ein seit über 15 Jahren entwickelter Networking-Stack für resiliente Kommunikation. Im Gegensatz zu Meshtastic ist Reticulum transport-agnostisch: Es kann LoRa, Packet Radio, TCP/IP und Wi-Fi HaLow gleichzeitig nutzen und intelligent zwischen den Medien wechseln. Mit echter Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (nicht nur PSK) und Apps wie Sideband oder NomadNet.
Einschränkung: Reticulum hat aktuell keine ATAK-Integration, was es für den Fokus dieses Artikels weniger relevant macht.
EU-Regulierung: Das 868-MHz-Problem
Europas enger Spielraum
In den USA steht für LoRa-basierte Mesh-Geräte das ISM-Band von 902 bis 928 MHz zur Verfügung – satte 26 MHz Bandbreite. In Europa sieht die Welt völlig anders aus. Die europäische Frequenzregulierung (EU-Entscheidung 2006/771/EC, ETSI EN 300 220) weist dem ISM-Bereich um 868 MHz nur ein schmales, stark fragmentiertes Spektrum zu:
| Sub-Band | Frequenzbereich | Duty Cycle | Max. Sendeleistung |
|---|---|---|---|
| K | 863–865 MHz | 0,1 % | 25 mW |
| L | 865–868 MHz | 1 % | 25 mW |
| M | 868–868,6 MHz | 1 % | 25 mW |
| N | 868,7–869,2 MHz | 0,1 % | 25 mW |
| P ✓ | 869,4–869,65 MHz | 10 % | 500 mW |
| Q | 869,7–870 MHz | 1 % | 25 mW |
250 Kilohertz gegen 26 Megahertz
Für Mesh-Systeme wie Meshtastic ist in der Praxis nur Sub-Band P wirklich nutzbar – es bietet als einziges sowohl brauchbare Sendeleistung (500 mW) als auch einen Duty Cycle von 10 %, der bidirektionale Kommunikation ermöglicht.
Das sind 250 kHz nutzbares Spektrum – verglichen mit 26.000 kHz in den USA. Faktor 104. Die Konsequenzen:
- Weniger gleichzeitige Kanäle – wo US-Nutzer dutzende Kanäle parallel nutzen, teilen sich europäische Nutzer ein schmales Segment
- Duty-Cycle-Pausen – selbst im besten Sub-Band P darf ein Gerät nur 10 % der Zeit senden
- Geringere effektive Datenrate – nach Duty-Cycle-Berücksichtigung sinkt der reale Durchsatz nochmals deutlich
Warum US-Geräte in der EU nicht funktionieren
Beartooth MK2 (915 MHz): In Europa liegt 915 MHz außerhalb jeder genehmigungsfreien Zuweisung – reserviert für GSM-Mobilfunk und Eisenbahnkommunikation. Betrieb = illegaler Sendebetrieb, mit Bußgeldern nach dem Telekommunikationsgesetz (TKG).
goTenna Pro X2 (VHF): Die Frequenzen 142–175 MHz erfordern in der EU eine behördliche Frequenzzuteilung oder Amateurfunklizenz. Da Amateurfunk verschlüsselte Übertragung verbietet und goTenna AES-256 nutzt, ist auch dieser Weg für die meisten Nutzer versperrt.
Was das für Hersteller und Nutzer bedeutet
- Hardware muss für 868 MHz ausgelegt sein (andere HF-Filter, Antennen, PA-Stufen als bei 915 MHz)
- CE-Kennzeichnung nach Radio Equipment Directive (RED 2014/53/EU) ist Pflicht
- Die Firmware muss den Duty Cycle zuverlässig einhalten
- Protokoll-Effizienz ist in Europa noch wichtiger als in den USA – jedes gesendete Byte zählt
- Ein einfacher „US-zu-EU-Port“ per Firmware-Update ist nicht möglich – es braucht ein Hardware-Redesign
Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Für den konkreten Einsatz kontaktieren Sie die Bundesnetzagentur.
Hardware im Vergleich: EU-konforme Mesh-Geräte
Expeditus Systems – Crow & Rook

Expeditus Systems ist ein europäischer Hersteller, der sich auf fertige Meshtastic-Geräte mit hochwertigen 3D-gedruckten Gehäusen spezialisiert hat.
Crow – Das Flaggschiff
- Meshtastic-Firmware auf ESP32/nRF52-Plattform
- 868 MHz (EU-konform)
- Gehäuse aus PA12 Nylon (3D-Druck) – schlagfest, leicht, professionelle Anmutung
- AES-256-Verschlüsselung
- ATAK-Integration via Meshtastic ATAK Forwarder Plugin
- Reichweite: typisch 5–15 km, bis 40+ km unter optimalen Bedingungen
Rook – Die Budget-Variante
Gleiche Meshtastic-Basis und EU-Konformität, kompakterer Formfaktor, günstigerer Preis.
Braver Systems LBM – Professionelle Mesh-Hardware aus Schweden

Braver Systems setzt den professionellen Maßstab für EU-konforme Mesh-Funkgeräte. Das LBM (Low Bandwidth MANET) ist für den harten Einsatz bei BOS, Militär und professionellen Teams konzipiert – und Partner von TAK Hub.
- 868 MHz ISM-Band (EU-konform)
- Meshtastic und MeshCore kompatibel (Open Source)
- Gehäuse: 1,5 mm schwarz eloxiertes Aluminium mit Custom PA12 Endkappen
- Antennenanschluss: TNC Female – wechselbare Antennen (omnidirektional oder höherer Gewinn)
- Laden: USB-C
- Wasser- und stoßresistent (Aluminium-Konstruktion mit Opfer-Hörnern die Stöße absorbieren)
- AES-256-Verschlüsselung
- Bedienung: Ein einziger Drehschalter. Ganz aufdrehen = An, eine Stufe zurück = RF-Silence-Modus.
Drei Varianten

| Variante | Beschreibung |
|---|---|
| LBMK | Eingebaute Antenne, geschützt durch PA11-Endkappe – ideal wenn Hängenbleiben ein Risiko ist |
| LBM | Externe Antenne mit TNC-Anschluss – der Allrounder |
| LBME | TNC-Anschluss + größerer Akku – für Langzeiteinsätze |
Was den TNC-Anschluss besonders macht: Im Gegensatz zum in der Hobby-Elektronik verbreiteten SMA-Anschluss (klein, empfindlich) ist TNC deutlich robuster. Er hält mechanischer Belastung stand und lässt sich auch mit Handschuhen sicher bedienen. Die Antennen von Braver Systems sind so konstruiert, dass bei Gewalteinwirkung die Antenne bricht – nicht das Radio.
Zusätzlich bietet Braver Systems Custom Camo-Wraps – laserpräzise geschnittene Wickel aus Milspec-Material in jedem Tarnmuster oder jeder Farbe: Multicam, EMS-Gelb, Feuerwehr-Rot, Polizei-Blau.
Vergleichstabelle: Alle Geräte auf einen Blick
| Merkmal | Beartooth MK2 | goTenna Pro X2 | Doodle Labs Wearable | Expeditus Crow | Expeditus Rook | Braver Systems LBM |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Preisklasse | ca. 1.249 $ | ca. 1.000 $ | Enterprise (mittl. 4-Stellig) | Hobby (ca. 220€) | Budget (ca. 100€) | Profi (mttl. 3-Stellig) |
| Technologie | LoRa (FHSS) | LoRa (VHF) | Breitband-MANET | LoRa | LoRa | LoRa |
| Frequenz | 902–928 MHz | 142–175 MHz | Multi-Band | 868 MHz | 868 MHz | 868 MHz |
| EU-konform | ✗ Nein | ⚠ Nur mit Genehmigung | ✓ Ja (ISM-Varianten, max. 100mW) | ✓ Ja | ✓ Ja | ✓ Ja |
| Throughput | LoRa-typisch | LoRa-typisch | 80–100 Mbps | LoRa-typisch | LoRa-typisch | LoRa-typisch |
| Reichweite (LoS) | bis 32 km | bis 160+ km | 2 km Video / 80+ km Air | 5–40+ km | 5–40+ km | 5–40+ km |
| Gehäuse | Kunststoff | MIL-STD-810 | IP68, 311g (75g neu) | PA12 Nylon (3D) | PA12 Nylon (kompakt) | 1,5 mm Alu + PA12 |
| ATAK | Natives Plugin | Natives Plugin | Nativ (volle IP) | Via Forwarder | Via Forwarder | Via Forwarder |
| Verschlüsselung | AES-256 | AES-256 (FIPS) | AES-256 (FIPS 140-3) | AES-256 (PSK) | AES-256 (PSK) | AES-256 (PSK) |
| Sprache/Video | Push-to-Talk | Ja | VoIP + HD-Video | Nein | Nein | Nein |
| Firmware | Proprietär | Proprietär | Proprietär | Open Source | Open Source | Open Source |
| Zielgruppe | US-Behörden | Militär/Gov. | Enterprise, SOF | Hobby, Outdoor | Einsteiger | BOS, Militär, Profis |
Reichweiten sind Herstellerangaben unter Idealbedingungen. Die tatsächliche Reichweite hängt stark von Gelände, Vegetation und Antenne ab.
Mesh-Funk + ATAK in der Praxis
So funktioniert die Integration
Das Bindeglied zwischen Meshtastic und ATAK ist das ATAK Forwarder Plugin. Der Datenfluss:
- ATAK erzeugt ein CoT-Event (Cursor on Target) – z.B. die eigene Position
- Das Plugin komprimiert es ins bandbreitenoptimierte Protobuf-Format (TAK Protocol v1)
- Über die AIDL-Schnittstelle wird es an die Meshtastic Android-App übergeben
- Die App sendet es per Bluetooth an das Meshtastic-Gerät
- Das Gerät funkt es per LoRa ins Mesh – über beliebig viele Hops
- Auf der Empfängerseite läuft der umgekehrte Prozess
Was wird übertragen: Positionen (Blueforce Tracking), Chat-Nachrichten, Waypoints, taktische Symbole.
Was nicht geht: Bilder, Video, Sprache – dafür ist LoRa zu schmalbandig.
Realistische Kapazitäten
| Preset | Sinnvolle Team-Größe | PLI-Intervall |
|---|---|---|
| SHORT_FAST | 10–15 Nodes | 30 Sek. |
| LONG_FAST | 8–12 Nodes | 120 Sek. |
| LONG_MODERATE | 4–8 Nodes | 300 Sek. |
TAK Server vs. Mesh – oder beides?
Ein TAK Server über Internet bietet volle Bandbreite (Bilder, Video, hunderte Nutzer), braucht aber Infrastruktur. Mesh-Funk funktioniert ohne alles, ist aber auf Text und GPS beschränkt.
Einsatzszenarien
- Katastrophenhilfe: Mobilfunk zerstört, THW/Feuerwehr rückt ein – Mesh liefert Blueforce Tracking ohne einen einzigen Funkturm
- Outdoor-Events: Trailrun, Bergrettung, Streckenposten – alle sehen sich auf der Karte, auch im Funkloch
- BOS-Einsätze: Mesh als zweite Ebene neben TETRA/BOS-Funk – automatisches Tracking entlastet den Sprechfunkkanal
- Training & Softair: Echtzeit-Lagebild zum Bruchteil der Kosten professioneller Systeme
- Militärisch: Minimale Sendeleistung und kurze Burst-Übertragungen für Szenarien mit begrenztem Funk. Wichtig: LoRa-Signale sind mit geeigneter Ausrüstung detektierbar – es ist keine Tarnkommunikation, sondern eine Low-Power-Alternative.
Fazit: Welches System passt zu eurem Einsatz?
Für Enterprise und Hochleistung (Militär, SOF, Großlagen): Das Doodle Labs Mesh Rider Wearable spielt in einer eigenen Liga. 80–100 Mbps Breitband-MANET, HD-Video über Mesh, native TAK-Integration ohne Plugin-Umweg, FIPS 140-3 Verschlüsselung. Wer vollständige digitale Einsatzführung ohne Infrastruktur braucht – inklusive Video, Drohnenfeeds und VoIP – kommt an Doodle Labs nicht vorbei. Der Preis ist Enterprise, aber die Fähigkeit auch.
Für professionelle Anwender (BOS, Militär, Security): Die Kombination aus Braver Systems LBM und Meshtastic bietet das beste Gesamtpaket in Europa für LoRa-basierte Mesh-Kommunikation. Robustes Aluminium-Gehäuse, wechselbare TNC-Antenne, EU-konform, AES-256 und volle ATAK-Integration. Ideal, wenn Positionen und Textnachrichten reichen und jeder Euro zählt.
Für Hobby, Training und Softair: Die Expeditus Crow und Rook liefern exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis. Hochwertige Gehäuse, EU-konform, Meshtastic-basiert – ideal für den Einstieg.
Proprietäre Consumer-Systeme (Beartooth, goTenna): Polierte Nutzererfahrung, aber für den europäischen Markt problematisch. Beartooth (915 MHz) ist in der EU nicht zulässig, goTenna erfordert behördliche Frequenzzuteilungen.
Open Source als Basis: Meshtastic ist der Platzhirsch mit der besten ATAK-Integration. MeshCore ist die technisch effizientere Alternative für Entwickler, hat aber noch kein ATAK-Plugin. OpenMANET füllt die Bandbreiten-Lücke für anspruchsvollere Szenarien.
TAK Hub – Euer Partner für Mesh & ATAK
Bei TAK Hub beschäftigen wir uns seit Jahren intensiv mit ATAK und Mesh-Kommunikation – nicht nur in der Theorie, sondern im praktischen Einsatz. Unser Wissen stammt aus realen Projekten mit BOS-Organisationen, Sicherheitsunternehmen und internationalen Partnern.
Wir unterstützen euch auf dem gesamten Weg: Beraten · Einrichten · Schulen · Entwickeln · Betreuen
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